WIR SIND HEUTE ZU GAST BEIM KÜNSTLER LAJOS TORNYOSI IN DER SCHWEINFURTER INNENSTADT. DER KONTAKT ZUM SYMPHATISCHEN UNGARN BESTEHT BEREITS SEIT 2021 MIT SEINER BEWERBUNG FÜR DIE KUNSTVERKAUFSMESSE UMSCHLAGPLATZ FRANKEN. AUF ANHIEB ÜBERZEUGTE ER DIE JURY MIT SEINEN EXAKTEN UND SAUBEREN LINIEN, MAKELLOSEN STRICHEN UND MESSERSCHARFEN KONTUREN, UM IHM AM ENDE SOGAR DEN SONDERPREIS ART FRANKEN ZU ÜBERREICHEN.
Sein künstlerisches Wirken besteht eigentlich aus zwei Welten. Einmal mit Tinte auf menschlicher Haut und auf der anderen Seite mit Acryl-Farben auf allem was Spaß macht, angefangen von der klassischen Leinwand bis hin zu Hauswänden, Stromkästen, Spraydosen oder Skateboards.
Lajos Tornyosi wurde Mitte der 70er Jahre in Ungarn geboren und entdeckte schon früh seine Leidenschaft für das Zeichnen. Während in seiner Kindheit Sorglosigkeit, Unfug und Skateboarden dazugehörten, entstanden seine ersten Zeichnungen in From von kleinen Figuren. Alles wurde bezeichnet, vom Federmäppchen, Buchcovers oder Schulhefte. Nach seiner Schulzeit absolvierte Lajos eine Lehre als Tischler. Dank eines guten Freundes, der auf sein außergewöhnliches Zeichentalent aufmerksam wurde, fand er 1999 den Weg zum Tätowieren. Aller Anfang ist schwer, doch durch schnelles Lernen und Entschlossenheit entwickelte er sich kontinuierlich weiter. Später arbeitete er als Lehrling in Budapest. Begleitend absolvierte er mehrere Zeichenkurse, die ihm neuen Schwung gaben und seine handwerklichen sowie künstlerischen Möglichkeiten beim Tätowieren erweiterten.
Die schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in seiner Heimat führten ihn schließlich nach Deutschland, wo er in Leipzig landete. Das Tattoo-Studio lief gut, sodass er den hohen Anforderungen seines Arbeitgebers und der Kunden problemlos gerecht werden konnte. Danach zog es den Künstler durch ganz Deutschland. Er sammelte in verschiedenen Studios wertvolle Erfahrungen, unter anderem in Köln, Trier, Ingolstadt und München.
Im Jahr 2008 folgte eine entscheidende Station: Tornyosi durfte nach Kitzingen zu Andy Engel wechseln. Engel erkannte sein Talent und die Qualität seiner Arbeiten, wodurch er ein Jahr lang Teil seines Teams sein durfte. Diese Zeit prägte ihn nachhaltig in Bezug auf Professionalität und Perfektionismus – Eigenschaften, die den Ausnahmekünstlerin und Fachmann Andy Engel auszeichnen.
Seither bildet die Kunst und das Tätowieren für ihn eine Hand in Hand funktionierende Einheit, die für die Zufriedenheit seiner Kunden unerlässlich ist. Als er sich schließlich bereit fühlte, konstant hohe Qualität abzuliefern, erfüllte er sich 2011 den Traum vom eigenen Shop in Rosenheim. 2017 zog es ihn weiter nach Schweinfurt. Für seine Kunstwerke wurde er auf zahlreichen Conventions wie der Kassel Tattoo Menta, den Rosenheimer Tattoo Tage und der Tattoo Convention München mit mehreren Auszeichnungen und Pokalen geehrt. Weitere Erfolge – auch auf internationaler Ebene – sollten folgen. Auch medial fand seine Arbeit große Beachtung mit Veröffentlichungen in Magazinen wie Tattoo Spirit, Tätowiermagazin und Tattoo Life.
Neben dem Tätowieren flüchtet Lajos regelmäßig in seine Welt und dies bedeutet Popartkunst auf einem wirklich hohen Level. Zumeist entstehen Tattoo-Motive nach Kundenwusch. In der Kunst kann Lajos seine eigenen Ideen verwirklichen. "Das ist ein großer Unterschied" gesteht Lajos. "Malen ist für mich wie ein Instrument. Viele Ideen kommen erst beim Malen in Bewegung". Seine Ideen und Gedanken findet er oft auch beim oder nach dem Meditieren, fast ein wenig wie Salvador Dali. Dalí setzte sich in einen Sessel und hielt einen schweren Metallschlüssel locker zwischen Daumen und Zeigefinger. Direkt unter seine Hand, auf den Boden, stellte er einen umgedrehten Teller oder eine Metallschale. Wenn er wegdöste und in die sogenannte Einschlafphase glitt, entspannten sich seine Muskeln automatisch. Der Schlüssel fiel ihm aus der Hand, knallte laut auf den Teller und riss ihn sofort wieder aus dem leichten Schlaf. Genau in diesem Übergangsmoment zwischen Wachsein und Schlaf sprudeln oft unbewusste Gedanken, bizarre Bilder und völlig neue Einfälle hervor, weil das Gehirn in dieser Phase Logikgrenzen senkt und freier assoziiert.Da er sofort geweckt wurde, konnte er sich an diese surrealen Träume und Ideen erinnern und sie direkt für seine Kunstwerke nutzen.
Viele der Bilder von Lajos zeigen den berühmten, gestreiften Kater Oriza aus den ungarischen Kinderbuch- und Puppentrickserien von István Csukás. Zusammen mit seinem besten Freund, dem Kater Mirr-Murr, erlebt er in den 70er und 80er Jahren zahlreiche Abenteuer. Oriza und Mirr-Murr sind absolute Kultfiguren des ungarischen Kinderfernsehens und der Kinderliteratur, die Generationen geprägt haben und noch heute eine tragende Rolle in den meist großformatigen Bildern von Lajos spielen.
Der Charakter des frechen Straßenkaters spielen dem 52-jährigen dabei perfekt in die Karten. Die Figur ist nicht 1 zu 1 übernommen, sondern erlebt die Dinge aus Sicht des Künstlers. In seinen tiefgründigen Szenen finden sich regelmäßig Symbole wieder. Ausnahmslos erzählen die Bilder eine fast schon aufwendige Story. Im seinem persönlichen Lieblingsbild Dogma kokettiert er mit der Bibel, wie er die verbotene Frucht, mit der wahrscheinlich auch der Sündenfall begann bittersüß darstellt. "Für gottlose Menschen, die Chaos und Ideologien erschaffen, ist nichts heilig – höchstens ihr auf das Podest gehobener Luzifer. Ihre Anstrengungen kann ich nicht respektieren, deshalb versuche ich, ihnen einen schiefen Spiegel vorzuhalten. Ich hoffe, es gelingt mir" erklärt Lajos die Hintergründe zu diesem Bild.
"Meine Bilder richten sich nicht gegen die „Elite“ oder gegen eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe . Vielmehr möchte ich Menschen, die sich blind vor Autoritäten verbeugen und dabei korrupt oder unmoralisch handeln, einen schiefen Spiegel vorhalten und zum Nachdenken anregen"
Lajos begegnet der Welt mit einem ständigen Augenzwinkern. In seinen Werken verschwimmen bissige Ironie und hemmungsloser Sarkasmus zu einer explosiven Mischung, die den Betrachter gleichermaßen provoziert und amüsiert. Er nimmt weder sich selbst noch den elitären Weltherrscher ernst, und genau diese radikale Unverbindlichkeit macht seine Arbeiten so unberechenbar und erfrischend. Für ihn ist Sarkasmus kein Werkzeug der Bitterkeit, sondern ein kreativer Schutzschild gegen die Ernsthaftigkeit des Alltags.

Unser Titelbild heißt „The 11. (The Magus)“ und zeigt das menschliche Labyrinth. Er greift auch das Thema UFO von Trump auf, der angeordnet hat, dass Bundesbehörden und das Verteidigungsministerium Dokumente, Berichte und Aufzeichnungen zu UFOs und ungeklärten Phänomenen identifizieren und öffentlich machen sollen. Er hat mehrfach betont, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat, zu erfahren, welche Informationen und Akten die Regierung zu unerklärten Sichtungen besitzt.
Jeder rennt nach Geld. Die Menschenkette stellt die Menschheit dar. Der Strahl wird durch das Symbol, das eine Pyramide darstellt, gebrochen. Es handelt sich dabei um eine optische Illusion, die man aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachten kann. Wenn man einmal blinzelt, kann man sich innerhalb der Pyramide sehen. Wenn man noch einmal blinzelt bzw. die Perspektive verändert, kann es so wirken, als würde man am unteren Rand der Pyramide stehen und aus ihr ausgeschlossen sein. Es geht dabei um das Thema Innen und Außen, um Dualität. Der Kreis fasst beide Seiten zu einem Ganzen zusammen und verbindet sie miteinander. Der Laserstrahl wird dabei symbolisch gebrochen bzw. synthetisiert – ähnlich dem philosophischen Prinzip These – Antithese – Synthese. Aus dieser Synthese entsteht der Regenbogen als Symbol für die Vielfalt und die vielen verschiedenen Farben des Lebens sowie für die Liebe, ähnlich wie beim christlichen bzw. jesuanischen Symbolgedanken.

Im seinem Werk "Change" beleuchtet er die Tatsache das wenn sich ein Mensch ändern möchte, er auch die Möglichlkeit oder Chance dazu erhalten muß. Im Bild sind zwei Schalen mit Wasser zu sehen. Der Fisch hat aber genug vom schlechten Wasser und springt ins saubere und bessere Wasser. In seinen Werken verbindet er detaillierte Studien mit farbenfroher Acrylmalerie im Cartoon-Stil und besitzt zugleich eine starke gesellschaftskritische Ausrichtung, die sich aufgrund der leuchtenden Farben oft erst auf den zweiten Blick offenbart.
Am diesjährigen Umschlagplatz ist Lajos Tornyosi auch wieder vertreten und bringt eine ganze Reihe seiner farbenfrohen Werke mit. Im Netz kann man unter www.tornyosi.com mehr über sein Schaffen ersehen.