Ein Kinoabend im Jahr 1960 verändert das Leben eines Jungen aus der Passchendaele‑Kaserne. Auf der Leinwand flimmert die Wochenschau, zu sehen ist der junge Olympiasieger Cassius Clay. Der elegante, fast tänzerische Stil des Amerikaners fasziniert den 13‑jährigen Hermann Tobisch‑Haupt so sehr, dass er noch im selben Moment beschließt: Ich werde Boxer.
Vom Teenager zum Talent der VfB‑Boxstaffel
Coburg ist in diesen Jahren eine Hochburg des Amateurboxens. Die Boxstaffel des VfB füllt Stadien und Säle, internationale Mannschaften treten in der Vestestadt an. Für den jungen Hermann ist das der ideale Einstieg. Er trainiert täglich, studiert Clays Sidestep, arbeitet an Beinarbeit, Schnellkraft und Technik. Drei Jahre später steht er zum ersten Mal im Ring – und geht zu Boden. Doch die Niederlage wird zum Antrieb. Tobisch‑Haupt trainiert härter, konsequenter, disziplinierter.
In den 1960er‑Jahren steigt er zum größten Nachwuchstalent der VfB‑Boxstaffel auf. Kämpfe in den Hofbräusälen später im Kongresshaus, oft vor bis zu 2000 Zuschauern, werden zu Höhepunkten seiner Amateurkarriere. Gegner aus Italien, den USA, Tschechien, Rumänien und Polen stehen ihm gegenüber. Hermann Tobisch‑Haupt wird zum Lokalmatador, zum Hauptkämpfer – und zum Publikumsliebling.
Bewusster Verzicht auf eine Profikarriere
Trotz seiner Erfolge lehnt Tobisch‑Haupt eine Profilaufbahn ab. „Beim Profiboxen geht es ums Geld und um die Gesundheit“, sagt er rückblickend. Während im Amateurbereich der Ringrichter eingreift, wenn es gefährlich wird, gehe es bei den Profis erst richtig los. „Das war mir meine Gesundheit nicht wert.“

Fitnesspionier in Coburg
Anfang der 1980er‑Jahre beendet er seine aktive Boxzeit und eröffnet Coburgs erstes Fitnessstudio – zunächst in der Gerbergasse, später im Steinweg. Die aufkommende Bodybuilding‑Welle um Arnold Schwarzenegger trifft den Zeitgeist. Tobisch‑Haupt holt Olympia‑Sieger, deutsche Meister und internationale Größen zu Seminaren und Shows nach Coburg. Er veranstaltet jährliche Fitnessläufe und Aerobic Events.
Sein Motto: „Mens sana in corpore sano – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper (Juvenal).“
Er engagiert sich im Deutschen Bodybuil- ding‑Verband, reist zu Weltmeisterschaften nach New York, Las Vegas und Tokio. Zehn Jahre lang prägt er die Fitnessszene der Region.
Der schwerste Kampf: Alkohol
Nach dem Ende seiner Studiozeit gerät Tobisch‑Haupt in eine persönliche Krise. Alkohol wird zum Gegner – ein Gegner, der nicht im Ring steht, sondern im Alltag. Mit ärztlicher Unterstützung beginnt er eine Therapie, reduziert sein Gewicht und findet zurück zum Sport. Es ist eines seiner größten Comebacks.
Aktiv mit 79 Jahren
Heute, mit 79 Jahren, ist Hermann Tobisch‑Haupt sportlich so aktiv wie kaum ein Gleichaltriger. Vier- bis fünfmal pro Woche steht er auf dem Tennisplatz der Coburger Turnerschaft in Niederfüllbach und spielt in der Herren‑65‑Mannschaft. Auch das Fitnessstudio gehört weiterhin zu seinem Alltag.
„Als Rentner hat man doch Zeit. Und das Training macht mir Freude“, sagt er.
Kürzlich hat er sogar wieder ein wenig Boxtraining aufgenommen.
Ein Leben voller Bewegung
Was bleibt, ist die Haltung eines Boxers: Disziplin, Technik, Beweglichkeit – und die Fähigkeit, nach jedem Tiefschlag wieder aufzustehen. „Das Wichtigste ist, aktiv und gesund zu bleiben“, sagt Tobisch‑Haupt. Ein Satz, der sein Leben treffend zusammenfasst.