Seit 2019 wird in Weitramsdorf von an Literatur interessierten Menschen kreativ geschrieben. Begonnen hat das Ganze in der Küche des Journalisten Christian Göller. Dort begann eine Gruppe, der unter anderem auch die Mundartdichterin Trude Weiß angehörte, sich regelmäßig zu treffen und zu vereinbarten Themen Texte zu entwerfen. Das passierte unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde. Eines war von Anfang an klar: Es sollte keinerlei Vorgaben geben, was die Länge oder das Genre der verfassten Arbeiten betraf. Und so entstand eine Vielzahl von Kurzgeschichten, Gedichten in Reimform oder freien Versen und anderen literarischen Formen. 

Buchprojekt
Nach einiger Zeit hatte man so viel Material, dass man auf die Idee kam, ein Buch daraus zu machen. Zur Realisierung des Projektes nutzte man das Mikrokreditprogramm „5 für 500“ der Initiative Rodachtal und ein attraktives Druckwerk entstand, bei dem man mit den Fotografen Hans Haake und Dieter Ertel zusammenarbeitete. Allerdings überstand diese Gruppe die Coronazeit nicht. Und so gab es nach dem Ende der Restriktionen einen Neustart. 

Neue Gruppe
Aus der Schreibwerkstatt wurde die Schreibwerkstatt Plus. Denn das erklärte Ziel der neuen Vereinigung war es, nicht nur kreativ zu schreiben, sondern auch sich immer wieder von Vorträgen von Autoren und Autorinnen aus dem literarischen Leben Inspiration zu holen. Und so waren beispielsweise der Coburger Sachbuchautor Martin Droschke oder der Kinderbuchautor Christian Seltmann bei der Weitramsdorfer Schreibwerkstatt Plus zu Gast. Die traf sich auch fortan im Pfarrhaus in der Ortsmitte der Landkreisgemeinde. Inzwischen zählt die Weitramsdorfer Schreibwerkstatt Plus neun feste Mitglieder. Dies sind Christian Göller (Leitung), Hartmut Braune-Bezold, Willemina Preiß, Horst Dwinger, Harald Krämer, Kerstin Finzel, Doris Dehler, Britta Solcher und Cornelia Rossberg. 

Lesungsabend
Schon ein halbes Jahr nach dem Neustart 2023 entschlossen sich die Autorinnen und Autoren, mit dem bis dahin entstandenen Material an die Öffentlichkeit zu treten. Und so gab es im Herbst den ersten Lesungsabend der neuen Gruppe in der Nikolauskirche, der ein voller Erfolg wurde. Seitdem sind die Lesungen in dem Gotteshaus zu einer schönen Tradition im Ort geworden. Inzwischen werden die vorgetragenen Texte auch durch auf sie abgestimmte Musikstücke untermalt, und so zeigten die Schreibwerkstatt Plus-Mitglieder am 22. November ein weiteres Mal, was sie literarisch auf der Pfanne hatten. Der Abend stand unter dem Motto „Die vier Elemente“, denn zu diesen Themen hatten sie ein halbes Jahr Material produziert. 

Fiktiver Brief an Donald Trump
Aber immer wieder gab es auch andere literarische Herausforderungen, wie zum Beispiel einen fiktiven Brief an Donald Trump zu verfassen. Von der Arbeit der Gruppe zeigte sich auch Weitramsdorfs Pfarrerin Anne Braunschweig-Gorny angetan: „Ich finde es toll, dass es die Gruppe gibt, weil ich vermute, dass viel mehr Menschen existieren, als man denkt, die gerne Gedichte, Texte schreiben, für sich, aber auch für andere zum Lesen. Und ich finde es schön, dass es die Möglichkeit gibt, sich mit diesem Interesse weiterzuentwickeln durch die Anleitung, die dort angeboten wird.“

Die MOHR Redaktion sprach mit den Teilnehmern der Schreibwerkstatt Plus im Vorfeld der diesjährigen Jahreslesung:

MOHR: „Willemina Preiß, was bedeutet die Schreibwerkstatt Plus für dich?“
Preiß: „Ich finde es jedes Mal sehr schön, hier hinzugehen zu dürfen.“ 

MOHR: „Was ist denn die Spezialität bei deinem Schreiben?“
Preiß: „Ich schreibe gerne Gedichte, am liebsten eigentlich Sonette, und  ich freue mich auch sehr über das Niveau von unseren Mitgliedern.“

MOHR: „Dann ist doch deine Spezialität auch ein ganz besonderes Gedicht aus Asien.“
Preiß:  „Ja, das ist sind sogenannte Tanka-Gedichte.  Damit habe ich schon zweimal einen Preis gewonnen in Japan."

MOHR: „Was wäre dein Leben ohne die Schreibwerkstatt?“
Preiß: „Ähm... sehr viel ärmer.“

MOHR: „Britta Solcher, was schätzt du an der Schreibwerkstatt Plus?“
Solcher: „Ich möchte die Schreibwerkstatt Plus nicht missen, weil ich den lebendigen Austausch dort sehr schätze und brauche, denn das Schreiben an sich ist einsam und still. Für mich ist Reden Silber und Schreiben Gold.“

MOHR: „Horst Dwinger, was bedeutet die Schreibwerkstatt Plus für dich?“
Dwinger: „Da habe ich immer wieder einen Termin, auf den ich zuarbeiten und dann ja was schriftlich von mir geben kann. Das muss nicht lang sein, aber dann freue ich mich, wenn ich das vorlesen darf. Ich freue mich immer, wenn die anderen lesen, denn da lerne ich ganz viel, denn die Kollegen haben ein riesengroßes Wissen. Und da kriege ich immer ein bisschen was von ab.“

MOHR: „Man könnte meinen, du bist ein großer Freund des Humoristischen.“
Dwinger: „Ja, das fällt mir leichter, als was Trauriges zu schreiben. Da muss ich mal sonst selber heulen.“

MOHR: „Kerstin Finzel, was bedeutet die Schreibwerkstatt Plus für dich?“
Finzel: „Für mich bedeutet die Schreibwerkstatt Treffen mit Freunden, netten Menschen und einen kreativen Austausch und das Auseinandersetzen mit unserer Sprache und sich Texte zu überlegen und auch ein bisschen Lob einzufahren.“

MOHR: „Deine Spezialität ist es doch auch, wenn's mal ums Gereimte geht."
Finzel: „Ja, ich mag gerne Gedichte schreiben, die mir mühelos in den Kopf kommen. Ich muss da nicht drüber lang nachdenken und das macht mir Spaß.“

MOHR: „Doris Dehler, du hast heute eine Fantasy-Geschichte abgeliefert. Wie kommt man auf sowas?“
Dehler: „Gute Frage. Also entweder fällt mir spontan was ein oder nicht. Mehr kann ich da eigentlich nicht dazu sagen.“

MOHR: „In Kürze wird es eine Lesung der Schreibwerkstatt in der Nikolauskirche geben. Freust du dich schon drauf?“
Dehler: „Ja, vor allem, wenn's warm ist.“

MOHR: „Und was wirst du da zum Besten geben?“
Dehler: „Auch, na ja, Fantasy-Geschichte nicht, aber so eine Geschichte mit einem kleinen Wal und Plüschtier.“

MOHR: „Cornelia Rossberg, was bedeutet die Schreibwerkstatt Plus für dich?“
Rossberg: „Für mich bedeutet das, dass ich einmal im Monat mit Leuten zusammenkomme, die das gleiche Hobby haben wie ich, Schreiben. Es macht Spaß, man kriegt immer wieder neue Anregungen.“

MOHR: „Was ist deine Spezialität?“
Rossberg: „Meine Spezialität sind eigentlich Haikus und Tankas, also japanische Gedichtformen. Aber ich schreibe auch Kurzgeschichten und es gibt auch Krimis von mir, also ich bin vielfältig veranlagt.“

MOHR: „Heute hast du ja was geschrieben mit geschichtlichem Hintergrund.“
Rossberg: „Ja, das macht mir auch Spaß.  Vor allem das Recherchieren im Internet, und dabei lerne ich hier auch noch was, was ich sonst nicht gewusst hätte. Dass zum Beispiel vor 3000 Jahren die ersten Bronzespiegel in Mesopotamien aufgetaucht sind. Jetzt weiß ich's.“

MOHR: „Bei der Lesung in der Nikolauskirche wirst du einen Brief an Trump zu Gehör bringen. Was kannst du dazu sagen?“
Rossberg: „Was ich dazu sagen kann, dass ihn Katharina die Große von Russland eingeladen hat zu einer sehr schönen Schlittenfahrt, in der sie ihm ganz gehörig die Meinung geigt.“

MOHR: „Christian Göller, Du leitest diese Gruppe.“
Göller: „Ja, und ich bin stolz darauf. Ich habe dazu beigetragen, dass irgendwann das schöpferische Potenzial der Mitglieder angestochen wurde und seitdem sind wir alle im kreativen Flow!“

MOHR: „Freust Du Dich schon auf den Lesungsabend?“
Göller: „Ja, schon sehr, denn dann können wir alle zeigen, was wir draufhaben und das ist eine ganze Menge. Karl Marx sprach ja von der „Idiotie des Landes“, das kann ich nicht unterschreiben, weil wir nämlich diese Landgemeinde tüchtig aufmischen werden mit unseren Texten.“

MOHR: „Danke für die Info!“

Im Rahmen der Arbeit der Schreibwerkstatt Plus verfasste die Autorin Willemina Preiß beigefügtes Sonettgedicht:
FALTENREICH 
Wenn ich mal in den Spiegel schau‘
sehe ich eine ält‘re Frau.
Ich erschrecke. Meine Falten
sind einfach nicht aufzuhalten!

So sehr ich mich dagegen wehr‘
es werden jede Woche mehr!
Ich habe vieles ausprobiert
und hab‘ das Licht schon reduziert.

Viel weiter doch bringt es mich nicht:
Ich hab‘ nun mal dieses Gesicht.
Die Sorgenfalten auf der Stirn
bedecken Haare auf der Birn‘.

Doch wichtig bleibt – für Frau und Mann – 
dass man vorm Spiegel lachen kann!